Sechs Gründe, warum niedergelassene Ärzte bilanzieren sollten

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Arzt am Schreibtisch mit Taschenrechner und Notebook

Als Freiberufler genießen niedergelassene Ärzte einige Privilegien. Hierzu gehört auch die Möglichkeit, ihre Buchführung mit der einfachen Einnahmenüberschussrechnung durchzuführen. Die Erstellung einer Bilanz ist nicht notwendig. Auch die meisten Steuerberater scheuen diese Mehrarbeit und empfehlen Ärzten deshalb, die Bilanzierung zu vermeiden. Das übliche Argument gegen die Bilanzierung lautet hier: Sie kostet viel und bringt wenig. Dadurch entgehen niedergelassenen Ärzten in vielen Fällen jedoch mehr als nur Steuervorteile; denn einige gewichtige Argumente sprechen trotz des höheren Aufwands klar für die Bilanzierung.

In diesem Beitrag nennen wir Ihnen sechs Gründe, warum niedergelassene Ärzte freiwillig bilanzieren sollten. Zudem erfahren Sie, wie Ärzte den Mehraufwand einfach auslagern können.

1. Nur mit der Bilanzierung wird eine Liquiditäts- und Finanzplanung möglich

In einer Einnahmenüberschussrechnung werden die Betriebseinnahmen den Betriebsausgaben gegenübergestellt, nicht aber die Vermögenswerte sichtbar. Daraus geht also auch nicht hervor, welche Forderungen ein Arzt gegenüber Patienten hat oder welche Verbindlichkeiten bei Banken bestehen. Erst wenn Geld auf dem Praxiskonto ein- oder abgeht, wird es in der Einnahmenüberschussrechnung berücksichtigt. Eine Liquiditäts- und Finanzplanung ist somit praktisch unmöglich. Doch Ärzte können besser planen, wenn sie einen detaillierten Einblick über Ihre Vermögenslage haben. Das wird durch die Bilanz möglich.

2. Steuern sparen dank Wahlrechten

Ärzte, die bilanzieren, können wirkungsvolle Wahlrechte nutzen, wenn es um die Bewertung ihres Vermögens geht. Nehmen wir einmal an, der Arzt möchte in den nächsten drei Jahren ein Gerät für seine Praxis anschaffen. Schön und steuerlich sinnvoll wäre es, wenn er diese geplante Investition bereits im aktuellen Wirtschaftsjahr berücksichtigen könnte. Möchte er von diesem Investitionsabzugsbetrag profitieren, so darf der Praxisgewinn bei der Einnahmenüberschussrechnung nicht über 100.000 € liegen. Doch die meisten Praxen überschreiten diesen Gewinn. Aufgrund der Berücksichtigung von Verbindlichkeiten steigt die Grenze bei der Bilanzierung auf 235.000 € Betriebsvermögen – einen Wert, welchen wiederum die meisten Praxen unterschreiten.

Weiterhin können Ärzte die dauerhafte Wertminderung ihrer Praxisgeräte bei der Gewinnermittlung berücksichtigen. Diese Teilwertabschreibung gibt es bei der Einnahmenüberschussrechnung ebenfalls nicht.

3. Mit Rückstellungen zur Steuerminimierung

Nicht selten kommt es vor, dass Patienten sich als Opfer eines Behandlungsfehlers sehen. Falls die Praxis dann auf einen Geldbetrag verklagt würde, könnte die gerichtliche Verurteilung zur Zahlung bald folgen. Fortan will der verurteilte Arzt sicherlich nicht mehr mit diesem Beitrag rechnen, ihn nicht mehr zum Gewinn zählen.

Mit der Bilanzierung können Ärzte Rückstellungen bilden: Sie rechnen mit der Zahlungsverpflichtung im darauffolgenden Jahr und können diese bereits in ihrer Bilanz vermerken. Dadurch sparen Ärzte im entsprechenden Wirtschaftsjahr Steuern. Bei der Einnahmenüberschussrechnung würde dagegen erst die tatsächliche Zahlung berücksichtigt werden.

4. Eine gute Finanzierung für Praxisgründer aushandeln

Gerade Praxisgründer und junge Mediziner benötigen in der Regel finanzielle Starthilfe für ihre Praxis. Eine Bilanz bietet Banken die beste Übersicht über die Vermögenslage der Praxis. Dies kann für die Entscheidung über eine Finanzierungshilfe zu guten Konditionen entscheidend sein.

5. Lieber freiwillig bilanzieren, anstatt zur Bilanzierung verpflichtet zu werden

Wir kennen viele Ärzte, die als Freiberufler vom Finanzamt zur Zahlung von Gewerbesteuer und zur Bilanzierung verpflichtet wurden. Spätestens jedoch beim Praxisverkauf beziehungsweise im Rahmen der Unternehmensnachfolge wird ohnehin für jeden Praxisinhaber eine Bilanz fällig. Schließlich will der Praxisnachfolger vor der Praxisübernahme genau wissen, wie sich die Kosten der Praxis zusammensetzen. Daher ist es oftmals wirtschaftlich sinnvoller, freiwillig zu bilanzieren und dadurch jahrzehntelang von den oben genannten Vorteilen zu profitieren.

6. Steuerfreier Gewinn aus Praxisverkauf

Selbst nach einem Praxisverkauf können Ärzte noch erheblich von der Bilanzierung profitieren. Beispielsweise kann ein Arzt den Praxisbetrieb rechtzeitig auf eine Praxisgesellschaft – etwa eine GmbH – übertragen. Ist der Praxisverkauf erfolgt, so kann der Arzt den erzielten Gewinn sechs Jahre lang in der Praxisgesellschaft belassen. Die Gesellschaftsanteile kann er verteilt über diesen Zeitraum verkaufen – zum Beispiel an seine eigene Familiengesellschaft. Auf diese Weise lässt das Betriebsvermögen steuerfrei in Immobilien- oder Familienvermögen wandeln.

Fazit: Bilanzierung bietet große Vorteile bei wenig Aufwand

Niedergelassene Ärzte sollten rechtzeitig das Gespräch mit einem Experten suchen – zum Beispiel ihrem persönlichen Vermögensgestalter von Monetaris. Gemeinsam klären wir in einem kostenlosen Erstgespräch, ob eine Bilanzierung im entsprechenden Fall sinnvoll ist.

Da wir eine Buchhaltung bei uns im Hause haben, lassen wir gerne die Bilanzen für Arztpraxen erstellen. Dabei bieten die Steuerberater aus unserer Steuerkanzlei die Bilanzierung zu den gleichen Kosten wie die Einnahmenüberschussrechnung an. Die Vorteile der Bilanzierung überwiegen also klar.

Obligatorischer Hinweis zur Rechts- und Steuerberatung

Sämtliche Informationen zu dem vorstehenden redaktionellen Text wurden gemeinsam mit der BOISSIER legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH erarbeitet. Damit ist keine Rechts- oder Steuerberatung durch Monetaris verbunden.